Die Geschichte des Leuchtturms
Die wechselvolle Geschichte des Leuchtturmes begann im 19. Jahrhundert, als zunehmender Schiffsverkehr immer bessere Seezeichen notwendig machte.
Auf die Anregung, ein weiteres Feuerschiff in der Wesermündung auszulegen, schlug das preußisch-bremisch-oldenburgische Tonnen- und Bakenamt aus wirtschaftlichen Gründen den Bau eines Leuchtturmes vor. Der Bremerhavener Baurat Hanckes wurde 1878 mit der Ausarbeitung der Pläne zum Bau betraut. Als navigatorisch günstiger Standort wurde eine Untiefe in der Wesermündung – der Rote Sand - gewählt. Auf diesem feinsandigen Untergrund ein Bauwerk zu stellen hiess gänzlich neue Wege beschreiten: Die Ingenieure entschieden sich zur sog. Caissongründung, d.h. ein stählerner Kasten wird auf den Meeresboden abgesenkt und der darunter befindliche Sand abgebaut. Der Kasten sinkt in den Boden und der eigentliche Leuchtturm knann darauf gebaut werden.
Die Arbeiten begannen Ende 1880 und verliefe nicht reibungslos. Nach vielen Widrigkeiten waren die Bemühungen aber doch vom Erfolg gekrönt.
Ins Bautagebuch setzte Baumeister Körte drei Kreuze als Finale unvorstellbar schwerer Arbeitsbedingungen. Der Turm wurde am 1.10.1885 seiner Bestimmung übergeben. Als Leuchtturmwärter Düsmann um Mitternacht die zweidochtige Öllampe zündete, stand nun das wichtigste Ansteuerungssignal in der Aussenweser - und zugleich das erste Offshore-Bauwerk der Welt.
Das maritime Bauwerk besteht aus 4 Etagen und dem Laternenaufbau. Über dem Eingangsgeschoss, der als Lagerraum diente, befindet sich der Schlafraum mit 9 Kojen, im dritten Geschoss der Aufenthaltsraum mit Küche und ganz oben der Dienstraum mit den charakteristischen drei Erkern.
Das Leben der drei Leuchtturmwärter war eintönig und hart. Es war nicht selten, dass die Besatzung wegen schweren Wetters erst Wochen später abgelöst werden konnte. Die tosende See liess den stählernen Körper gelegentlich derart erzittern, dass die Besatzung schon um ihr Leben fürchtete. Besonders hart war der Dienst im Winter – schliesslich gibt es auf dem Turm keine Heizung.
Ganze 79 Jahre warnte der Leuchtturm vor dem gefährlichen Riff Roter Sand und wies den Schiffen mit seinem Haupt- und Quermarkenfeuer den Weg nach Bremen und Bremerhaven. Unzähligen Auswanderern symbolisierte der Leuchtturm Abschied vom “alten” Kontinent; unzähligen Seeleuten glückliche Heimkehr.
Ende der Fünfziger Jahre wurden am Sockel Untersuchungen durchgeführt. Die festgestellten Schäden am Fundament hielten einen Ausbau zur Aufnahme einer Radaranlage für nicht durchführbar. Nichteignung zur Modernisierung und Veränderungen des Fahrwassers führten zum Bau des Leuchtturms Alte Weser. Als der 1964 seinen Dienst aufnahm schien das Ende des gelöschten Feuers Roter Sand besiegelt: der Nordsee überlassen würde die rauhe See langfristig den Turm zerschlagen.
Doch das Interesse der breiten Öffentlichkeit, der Einsatz der Bremischen Bürgerschaft, des Bremerhavener Magistrats und verschiedener Vereine brachten die für eine nachhaltige Sanierung nötigen Mittel auf, und das Land Niedersachsen stellte das Bauwerk unter Denkmalschutz. Mit dem spektakulären Überstülpen einer stählernen Manschette wurde 1987 das Fundament stabilisiert. Die Aussenhaut erhielt 1989 einen neuen Anstrich. In der Folgezeit wurden auch die Innenräume instandgesetzt.
Seit 1999 können Besucher auf dem Turm übernachten.